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Tapani Piha, Sari Palojoki, Tuula Helander und Pasi Mustonen: Technologie kann Wohlstand und nachhaltiges Wachstum schaffen

EU2019FI
19.12.2019 9.47
Kolumne

Der finnische Vorsitz im Rat der Europäischen Union wollte den Aspekt des menschlichen Wohlergehens mit wirtschaftlichem Wachstum verknüpft diskutieren. Dementsprechend nahmen die Ministerinnen und Minister für Beschäftigung, Sozialpolitik, Gesundheit und Verbraucherschutz während ihrer zweiten Ratstagung unter dem finnischen Vorsitz am 24. Oktober 2019 Schlussfolgerungen zur Ökonomie des Wohlergehens an.

Im Sinne dessen, dass menschliches Wohlergehen und nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum keine Gegensätze sind, sondern sich gegenseitig stützen, zielen die Schlussfolgerungen darauf ab, die Menschen und deren Wohlergehen in die Mitte der politischen Gestaltung und der Beschlussfassung zu stellen. 

Ein entscheidender Teil menschlichen Wohlergehens ist die Gesundheit. Diese basiert oft nicht auf Medizin, sondern wird durch Bildung, soziale Netze und ein aktives Alltagsleben gefördert. Medizinische Versorgung kann uns allerdings in Krankheitszeiten helfen, wieder gesund zu werden. Gesunde Menschen lernen, arbeiten und genießen ihr Leben; die positiven Auswirkungen dessen haben weitaus größere Folgen als ein wachsendes BIP.

Darüber hinaus spielt, wie auch in anderen Lebensbereichen, Technologie beim Thema Gesundheit eine essentielle Rolle. Von künstlichen Gelenken und KI-unterstützter Radiologie bis hin zu Fitnesstrackern und Gesundheitsapps – die rapide technologische Entwicklung ermöglicht es uns, unsere Gesundheit und unser Wohlergehen so zu entwickeln, wie wir es noch nie zuvor erlebt haben. Wenn es um integrierte und personalisierte Behandlung und die Zusammenführung medizinischer und sozialer Versorgung geht, sind digitale Informationssysteme unerlässlich. So bilden elektronische Gesundheitsakten das Fundament für die Arbeit in Krankenhäusern und Gesundheitszentren.

Wenn also nachhaltiges Wachstum nicht ohne Gesundheit und Wohlergehen erzielt werden kann, so ist dies genauso wenig ohne digitale Entwicklung möglich. 

Digitalisierung, Robotik und KI sind Technologien des Wohlergehens

Wie viele andere gesellschaftliche Bereiche steht auch das Gesundheitswesen an der Schwelle des digitalen Wandels. Für diesen Wandel brauchen wir Mut.

Um mithalten zu können, müssen der gesamten Bevölkerung Möglichkeiten für das lebenslange Aneignen digitaler und sonstiger Kompetenzen zur Verfügung gestellt werden. So können wir nicht nur den Herausforderungen der Digitalisierung begegnen, sondern auch die Chancen neuer Arbeitsformen nutzen. 

Technologie muss allen Menschen zur Verfügung stehen. Laut vieler Studien spielt bei der Nutzung digitaler Hilfsmittel das Alter eine geringere Rolle als entsprechende digitale Kompetenzen und Wissen. In Europas schnell wachsender Seniorenwirtschaft (Silver Economy) muss die Wirtschaft ihre Technologien an die Bedürfnisse alter Menschen und benachteiligten Gruppen anpassen. Insbesondere muss die Gesellschaft digitale Kompetenzen forcieren.

Roboter und künstliche Intelligenz bergen das Versprechen, den Menschen beim Führen eines gesunden und unabhängigen Lebens, bei der Bekämpfung von Krankheiten sowie der Rehabilitation nach Unfällen zu helfen. Ihr immenses Potential und immer noch obskures Wesen unterstreichen die Notwendigkeit, ethischen Richtlinien in Bezug auf vertrauenswürdige KI Folge zu leisten. Derartige Richtlinien wurden in der EU bereits vorgeschlagen. 

Innovative technologische Entwicklungen verändern also die Prozesse zur Förderung menschlichen Wohlergehens und der Zurverfügungstellung von Gesundheits- und Sozialdienstleistungen. Dadurch können Kostenwirksamkeit, Effizienz und Servicequalität erhöht und gleichzeitig Ungleichheiten bei der Zugänglichkeit und den Behandlungsergebnissen bereinigt werden.

Digitale Gesellschaft fördert Wohlergehen der Menschen

Technologie allein ist trotz allem keine Lösung – egal, wie entwickelt diese ist. Sie ist zwar Teil der Lösung, benötigt allerdings einen soliden rechtlichen Rahmen, gut organisierte Arbeitsabläufe und kompetente Fachleute sowie ausreichend informierte Bürgerinnen und Bürger. Für die Entwicklung solcher Lösungen benötigen wir lokale oder grenzübergreifende Ökosysteme, die auf einer nahtlosen und beständigen Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Interessenvertretern basieren. 

Europa braucht einen stärkeren (digitalen) Binnenmarkt. Um die Interoperabilität der digitalen Infrastrukturen Europas zu beschleunigen, hat die Europäische Kommission die Idee eines europäischen Gesundheitsdatenraumes lanciert. Dieser könnte aufbauend auf der bereits existierenden Arbeit im grenzübergreifenden Austausch von Gesundheitsdaten Bürgerinnen und Bürgern nahtlose Behandlungsketten ermöglichen, aber auch immense Impulse für Forschung schaffen. Die Binnenmarktinitiative zur Schaffung einer sicheren und datenschutzkonformen Wissensdatenbank mit mehr als einer Million sequenzierter Genome zeigt, wie neue Informationen dem Gesundheitswesen und der Forschung grenzübergreifend verfügbar gemacht werden können. 

Europas Wettbewerbsfähigkeit profitiert von einer Ökonomie des Wohlergehens, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt, und einer Datenwirtschaft, die nach ethischen Grundsätzen funktioniert. 

Tapani Piha, Sonderberater des EU-Ratsvorsitzes, Ministerium für Soziales und Gesundheit

Sari Palojoki, Fachreferentin, Ministerium für Soziales und Gesundheit

Tuula Helander, Fachreferentin, Ministerium für Soziales und Gesundheit

Pasi Mustonen, Fachreferent Gesundheit, Ständige Vertretung Finnlands bei der EU