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Eeva Raevaara: Unser Ziel ist die Gleichstellung der Geschlechter in Europa

EU2019FI 5.12.2019 13.58
Kolumne
Foto: Jarno Kuusinen

Die Gleichstellung der Geschlechter ist in der EU in vielen Lebensbereichen noch nicht Realität. Statistiken zeugen von unnachgiebigen Unterschieden, was die Gehälter und Renten sowie das Armutsrisiko von Frauen und Männern anbelangt. Besonders Alleinerziehende sind von diesen Ungleichheiten stark betroffen.

Das Europäische Institut für Gleichstellungsfragen EIGE veröffentlichte im Oktober seinen vierten Gleichstellungsindex, laut dem es bei der Gleichstellung in Europa noch viel zu tun gebe: Die EU insgesamt erzielt hier von 100 maximalen Punkten einen Index von lediglich 67,4 Punkten.

Finnischer Vorsitz hält Gleichstellung hoch

Wie würde aber ein Europa aussehen, in dem die wirtschaftliche Gleichstellung der Geschlechter Realität ist? Und wie können wir dies erreichen? Das sind die Fragen, die sich der finnische Vorsitz im Rat der Europäischen Union auf die Fahnen geheftet hat.

Anhand unseres Themas Gleichstellung in der Wirtschaft – Gender Equal Economies untersuchen wir die Wechselwirkung zwischen Gleichstellung und Wirtschaft: Dies bedeutet Geschlechtergleichstellung als Teil nachhaltigen Wirtschaftswachstums einerseits und die Bedeutung von Wirtschaftspolitik als Antriebskraft für Geschlechtergleichstellung andererseits.

Fragen der Gleichstellung sind gerade jetzt von besonderer Aktualität in der EU, wo eine neue Kommission ihr Amt antritt und Strategien für Gleichstellungs- und Wirtschaftspolitik erarbeitet werden. Es geht hierbei gleichzeitig um die Stärkung der Gleichstellungspolitik der EU und die engere Verknüpfung von Wirtschafts- und Gleichstellungsfragen. Auch das Thema der Entwicklung der EU-Haushaltsplanung nach den Gesichtspunkten der Gleichstellung der Geschlechter kam zur Sprache.

Gleichstellung der Geschlechter erfordert sektorübergreifende Zusammenarbeit

Finnland richtete Anfang Herbst 2019 in Helsinki die Konferenz Europe for Gender Equality? Taking Stock – Taking Action aus. Als Hauptrednerin trat dabei die Leiterin der Einheit der Vereinten Nationen für die Gleichstellung und Ermächtigung der Frauen Shahra Razavi auf. Sie betonte, ein funktionierendes System der sozialen Sicherheit und Sozialdienstleistungen seien unabdinglich für das Schaffen von nachhaltigem Wirtschaftswachstum, an dem alle teilhaben. Darüber hinaus wurde auf der Konferenz über den Aspekt der Gleichstellung in der Haushaltsplanung diskutiert und die Möglichkeit erörtert, im Rahmen des Europäischen Semesters nicht nur mehr Wirtschaftswachstum, sondern auch mehr Gleichstellung zwischen den Geschlechtern zu schaffen.

Am wichtigsten waren allerdings die gemeinsamen Diskussionen, bei denen unter anderem Expertinnen und Experten aus den Bereichen Haushaltsplanung und Gleichstellung sowie Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Politikfelder sektorübergreifend zusammentrafen. Man war sich einig, die starke Gleichstellungsagenda der neuen Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen und die Überprüfung der Wirtschaftspolitik gemäß den Gesichtspunkten der Nachhaltigkeitsziele böten eine gute Grundlage für die Förderung der Gleichstellung der Geschlechter in der EU.

Die Diskussion über die Gleichstellung der Geschlechter und die Gleichstellung in der Wirtschaft wird im Dezember auf der Tagung des Rates „Beschäftigung, Sozialpolitik, Gesundheit und Verbraucherschutz“ fortgesetzt. Hoffentlich wird dieser Dialog in Zukunft auch sektorübergreifend geführt, beispielsweise in Form einer gemeinsamen Diskussion der zuständigen Ministerinnen und Minister in den Ratsformationen „Beschäftigung, Sozialpolitik, Gesundheit und Verbraucherschutz“ und „Wirtschaft und Finanzen“.

Eeva Raevaara, Ministerialrätin, Ministerium für Soziales und Gesundheit