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Auch seltene Sprachen maschinell übersetzbar

EU2019FI 30.10.2019 16.13
Mitteilung
Foto: Sera Martikainen, Staatskanzlei, Finnland

Eine speziell für die Bedürfnisse des finnischen Vorsitzes im Rat der EU entwickelte Übersetzungssoftware hat sich als eine geeignete Unterstützung beim Übersetzen erwiesen. Die maschinelle Übersetzung basiert auf lernenden neuronalen Netzen.

Letztes Frühjahr beteiligte sich die Staatskanzlei an einem von der Europäischen Kommission finanzierten Projekt der maschinellen Übersetzung, bei dem für den Dreiervorsitz Rumänien, Finnland und Kroatien geeignete maschinelle Übersetzungsmaschinen entwickelt wurden. Ziel des Projekts ist es, die mehrsprachige Kommunikation während des EU-Vorsitzes zu erleichtern und zu beschleunigen und den zunehmenden Übersetzungsbedürfnissen nachzukommen. Für Finnland wurden Übersetzungsprogramme in den Sprachpaaren Finnisch-Englisch-Finnisch und Finnisch-Schwedisch-Finnisch entwickelt. 

Die Ergebnisse sind ermutigend, und das Tool wurde in diesem Herbst in die Übersetzungsprozesse des Sprachendienstes des finnischen EU-Ratsvorsitzes aufgenommen. Die maschinelle Übersetzung wird nicht als solche verwendet, sondern zur Unterstützung der Übersetzerin bzw. des Übersetzers, wobei sie eine Grundlage bietet, die zu einer zweckmäßigen Übersetzung verarbeitet wird.

Das Übersetzungs-Tool EU Council Presidency Translator können neben den Übersetzerinnen und Übersetzern auch andere interessierte Personen nutzen, zum Beispiel als Unterstützung beim Schreiben oder Lesen fremdsprachiger Texte. Es kann dabei helfen, Texte, Dateien und sogar ganze Webseiten zu übersetzen. Zum Sprachenregime gehören mehrere Sprachkombinationen, von denen Finnisch-Englisch-Finnisch und Finnisch-Schwedisch-Finnisch qualitativ hochwertige Ergebnisse liefern und vom Sprachendienst des EU-Ratsvorsitzes bereits im Testbetrieb verwendet werden.

Fließendes Finnisch über neuronale Netze

Die finnische Sprache gilt traditionell als maschinell schwer übersetzbar. Fortgeschrittene künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen haben es jedoch ermöglicht, gut funktionierende Übersetzungsprogramme auch für die Bedürfnisse von kleinen und strukturell herausfordernden Sprachen, wie Finnisch, zu entwickeln.

Das nun verfügbare Übersetzungs-Tool funktioniert auf Grundlage neuronaler Netze. Von der Flüssigkeit her nähern sich die von neuronalen Netzen produzierten Texte der vom Menschen produzierten Sprache, und qualitativ übertreffen sie viele alte regelbasierte und statistische Übersetzungsmaschinen. Neuronale Netze sind darauf ausgerichtet, aus Teilen des zu übersetzenden Satzes den Zielkontext festzustellen, was die Qualität und Genauigkeit der Übersetzungen verbessert. Wird die Übersetzungsmaschine noch mit Texten der jeweiligen Organisation oder des zu behandelnden Themas trainiert, werden noch bessere Resultate erzielt. Andererseits, auch eine gute Übersetzungsmaschine produziert keinen fehlerfreien Text.

Die Entwicklungsarbeit von neuronalen Übersetzungsmaschinen stützt sich unter anderem auf maschinelles Lernen. In die Maschine wird eine große Menge von zweisprachigen Textdaten gespeist, und die Maschine lernt mit Hilfe von Algorithmen auf deren Grundlage zwischen zwei Sprachen zu übersetzen. Finnlands Übersetzungs-Tool ist mit mehr als 20 Millionen Sätzen und deren Übersetzungen trainiert worden. Für die Entwicklungsarbeit des EU Council Presidency Translators ist das lettische Übersetzungs- und Sprachtechnologieunternehmen Tilde zuständig, das beim internationalen WMT-Wettbewerb der maschinellen Übersetzung gut abgeschnitten hat.