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Jaana Husu-Kallio: Ernährungspolitik vereint Klima, Wirtschaft sowie menschliches und ökologisches Wohlergehen

EU2019FI 4.12.2019 9.04
Kolumne
Foto: Ministerium für Land- und Forstwirtschaft

Der finnische Vorsitz im Rat der Europäischen Union richtete diesen Herbst gemeinsam mit der Europäischen Kommission eine Tagung aus, auf der die Mitgliedstaaten ihre Positionen bezüglich einer nachhaltigen Ernährungspolitik kundtun und die Kommission mit diesbezüglichem Gedankenfutter versorgen konnten. Ernährungspolitik steht nämlich in engem Zusammenhang mit dem europäischen Grünen Deal aus dem Programm der vor Kurzem angetretenen neuen EU-Kommission. Warum strebt die EU überhaupt eine gemeinsame Richtung in der Ernährungspolitik an und was will sie mit einer nachhaltigen europäischen Ernährungspolitik erreichen?

Der Grüne Deal ist der Plan der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen für nachhaltiges Handeln und eine nachhaltige Wirtschaft. Eine der fünf Säulen dieses Plans ist eine nachhaltige Ernährungspolitik vom Anbau bis zum Verzehr. Von der Leyen hat den Vizepräsidenten der Europäischen Kommission Frans Timmermans beauftragt, innerhalb von hundert Tagen einen Grünen Deal sowie Vorschläge zu dessen Umsetzung auszuarbeiten.

Ernährungspolitik wirkt sich auf die Umwelt und das menschliche Wohlergehen aus

Der Wille der Europäischen Union, eine nachhaltige Ernährungspolitik zu entwickeln, ist nicht nur für Europa selbst, sondern auch für die weitere Welt von Bedeutung: Niemand importiert oder exportiert mehr Lebensmittel als die EU. Sie ist also ein bedeutend größerer Akteur, als es auf den ersten Blick aussehen mag, weswegen sich ihr Handeln auch auf die Umwelt und das menschliche Wohlergehen außerhalb ihrer Grenzen auswirkt. Die EU kann und muss in ihrer Ernährungspolitik nicht nur für das Wohl ihrer eigenen Bevölkerung eintreten, sondern für eine nachhaltige Entwicklung weit über ihre Grenzen hinaus Verantwortung tragen.

Sie wirkt mit ihrer Politik direkt und indirekt darauf ein, welchen ökologischen Fußabdruck die Lebensmittelproduktion hinterlässt und welche sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Auswirkungen eine in Europa getrunkene Tasse Kaffee oder eine hier genossene Banane tatsächlich hat.

Hierbei geht es nicht nur um den Klimawandel, sondern auch um die Auswirkungen auf das menschliche und tierische Wohlergehen, die Wasserwirtschaft und die Biodiversität. Tatsächlich hängt von den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen jedes einzelne mit dem Thema Ernährung zusammen. Die Finnische Gesellschaft für die Vereinten Nationen erinnerte uns am Welthungertag auch daran, dass weltweit mehr als 800 Millionen Menschen Hunger leiden; gleichzeitig verschwenden wir aber ungefähr ein Drittel aller produzierten Lebensmittel.

Milliarden an Menschen leiden unter dem Mangel von Nahrungsmitteln, während gleichzeitig Übergewicht schwerwiegende gesundheitliche Probleme hervorruft. So geht die OECD davon aus, dass die negativen Auswirkungen von Übergewicht das BIP der EU in Folge eines Produktivitäts- und Beschäftigungsrückgangs um 3,3 Prozent schmälern. Das derzeitige System ist also alles andere als nachhaltig.

Eine nachhaltige europäische Ernährungspolitik durch Zusammenarbeit

Die Voraussetzung für eine nachhaltige europäische Ernährungspolitik ist die unvoreingenommene Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Sektoren und Bereichen. Es geht hierbei explizit um gemeinsame strategische Ziele, die konkret in Euro und in Menschenleben zu messen sind. Eine nachhaltige Ernährungspolitik zielt nämlich darauf ab, die Rentabilität der Primärproduktion sicherzustellen, die Umwelt zu schonen und die Gesundheit der Menschen zu fördern.

Auch die Kompetenz und Wettbewerbsfähigkeit der Lebensmittelindustrie dürfen nicht zu kurz kommen. Die Verbraucherinnen und Verbraucher müssen Zugang zu Lebensmitteln haben, die sich durch hohe Qualität und einen konkurrenzfähigen Preis auszeichnen. Mit Ernährungspolitik wird auch sichergestellt, dass Lebensmittel frei von Bedenken konsumiert werden können und dass diese auch dann in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen, wenn die internationale Zusammenarbeit ins Stocken gerät, Tierkrankheiten drohen oder in Folge einer Dürre die Ernte ausfällt.

Es ist also höchste Zeit, sich mit Ernährungspolitik auseinanderzusetzen und sich in den verschiedenen Sektoren an die Arbeit zu machen – gemeinsam.

Jaana Husu-Kallio, beamtete Staatssekretärin, Ministerium für Land- und Forstwirtschaft