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Juhani Korhonen: Hin zu einer digitalen Verwaltung, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt

Ministerium der Finanzen 21.10.2019 8.33
Kolumne

Digitalisierung ist eines der zentralen Themen des finnischen Vorsitzes im Rat der Europäischen Union. Diese wollen wir auch in der öffentlichen Verwaltung zur Stützung der Wettbewerbsfähigkeit und als Garant für nachhaltiges Wachstum in Europa gestärkt sehen. Ebenso ist es uns ein Anliegen, insbesondere den Aspekt der Benutzerzentriertheit der digitalen Verwaltung in die Debatte einzubringen.

Genau das tut der finnische Vorsitz auch im Rahmen der Konferenz zur digitalen Verwaltung am 22. Oktober 2019. Dieser Ansatz, der den Menschen in den Mittelpunkt stellt, verlangt nach einer Reform der Prozesse innerhalb der öffentlichen Verwaltung. Das bedeutet unter anderem, dass die wirklichen Bedürfnisse der Menschen nun verstärkt als Grundlage für das Handeln der öffentlichen Verwaltung herangezogen werden müssen. Den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen bedeutet auch, sämtliche gesellschaftliche Gruppen in die Entwicklung einzubinden. Denn im Idealfall gerät beim digitalen Wandel niemand ins Hintertreffen.

Allerdings braucht es für eine öffentliche Verwaltung, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt, mehr als nur systeminterne Anstrengungen. Daneben benötigt es auch Beiträge von Unternehmen, nichtstaatlichen Organisationen und dem dritten Sektor sowie Zusammenarbeit in ganz Europa.

KI ohne Daten ist nur ein stummes Gerät

Der finnische Vorsitz möchte das Thema der Datenmobilität forcieren, da Digitalisierung ohne Daten nicht möglich ist. Die Nutzung von Daten wiederum ist die Voraussetzung für bessere Dienstleistungen – künstliche Intelligenz und andere moderne Technologien wären ohne sie nur stumme Geräte. Wenn Datenmengen in großem Umfang zur Verfügung stehen, wirkt sich dies auch positiv auf unsere Wettbewerbsfähigkeit aus.

Die Datenwirtschaft in Europa muss die Menschen in den Mittelpunkt stellen. Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen sowie alle weiteren Akteure müssen darauf vertrauen können, dass bei der Behandlung und Nutzung von Daten faire, ethische Spielregeln eingehalten werden. Vorschläge für ethische Prinzipien für Daten und neue Technologien wurden sowohl auf europäischer Ebene als auch in den Mitgliedstaaten bereits ausgearbeitet.

Ist Europa bereit für Informationspolitik?

Fortschritte bei der europäischen Informationspolitik gehören zu den Zielen des finnischen Ratsvorsitzes. Informationspolitik bedeutet dabei allgemein ausgedrückt, dass jene Leitlinien und Prinzipien, die unter anderem den Zugang, die Verfügbarkeit, die Mobilität sowie die Qualität von Daten definieren, von verschiedenen Sektoren zusammengeführt und in Einklang gebracht werden.

Zwar ist Finnland im europäischen Vergleich bereits ein Vorreiter bei der Informationspolitik, allerdings ist die Angelegenheit auch hier etwas Neues: Die finnische Regierung legte dem Parlament erst Ende 2018 einen Bericht über eine ethische Informationspolitik vor. Dementsprechend haben wir uns vorgenommen, dass Finnland als EU-Ratsvorsitz mit gutem Beispiel vorangeht. 

Bedeutende Chance, Einfluss zu nehmen 

Prinzipielle sowie ethische und gesellschaftliche Fragen betreffend die Digitalisierung sind erst im vergangenen Jahr in eine breitere Diskussion vorgedrungen. Nachdem die Digitalisierung nun schon seit Jahrzehnten genutzt wird, haben wir jetzt ein einzigartiges Momentum – und Finnland eine bedeutende Chance, Einfluss zu nehmen.

Nach dem Ende des Ratsvorsitzes, werden wir unsere Leistungen in diesem Bereich evaluieren.

Juhani Korhonen, Ministerialrat, Finanzministerium