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Laura Vilkkonen: Eine gerechte Datenwirtschaft für Europa, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt

Ministerium für Verkehr und Kommunikation 21.11.2019 11.44
Kolumne
Foto: Tommi Parkkonen, Ministerium für Verkehr und Kommunikation

Die Menge an digitalen Daten wächst exponentiell. Daten machen heute bereits eine für die wirtschaftliche Entwicklung bedeutende Menge an Eigentum aus. Mit ihrer Hilfe entwickeln wir die Dienstleistungen der Zukunft, schaffen Wirtschaftswachstum und stellen Wettbewerbsfähigkeit sicher. Damit dies auch in Zukunft so bleibt, müssen wir für die Verfügbarkeit von Daten, Datenschutz und Datensicherheit Sorge tragen. Die hochrangige Konferenz des finnischen EU-Ratsvorsitzes zum Thema Datenwirtschaft am 25. und 26. November 2019 in Helsinki bietet eine Gelegenheit für eine tiefere Auseinandersetzung mit diesem Thema.

Europa benötigt eine klare Strategie für die Entwicklung einer datengesteuerten Wirtschaft. Finnland hat sich während seines EU-Ratsvorsitzes darauf konzentriert, die gemeinsamen Prioritäten dieser Strategie zu umreißen. Wir möchten die EU zu einem datenwirtschaftlichen Zentrum nach ethischen Prinzipien machen. Dafür hat die EU sämtliche Trümpfe in ihrer Hand.

Datenzugang zu fairen Bedingungen

Schon heute tragen Daten zu einem reibungslosen Alltag bei und verbessern unser Dienstleistungsniveau. Um dies auch in Zukunft sicherzustellen, haben wir für die Verfügbarkeit von Daten Sorge zu tragen. Nur durch die systematische Entwicklung der Datenwirtschaft können wir sicherstellen, dass Daten für individuelle und gesellschaftliche Aufgaben genau dann zur Verfügung stehen, wenn sie gebraucht werden.

Der Schwerpunkt muss bei dieser Entwicklung auf Maßnahmen liegen, die es ermöglichen, dass Unternehmen, Behörden und Privatpersonen gleichwertig von Daten profitieren. Viele grundlegende Aufgaben unserer Gesellschaft werden in der Zukunft ohne die Nutzung von Daten, die sich in den Händen Dritter befinden, nur schwer zu bewältigen sein. Als Beispiel sei der autonome Verkehr genannt, bei dem vom jeweiligen Fahrzeug gesammelte Daten über Witterungsverhältnisse, den Zustand der Infrastruktur und andere Verkehrsteilnehmer benötigt werden, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen und das Verkehrsmanagement zu verbessern.

Auch der Logistiksektor bietet durch die Vereinheitlichung des Transportwesens mithilfe digitaler Daten das Potential, Transportwege zu rationalisieren, Kundenerfahrungen zu verbessern, Transportkosten zu verringern sowie Kohlendioxidemissionen zu reduzieren.

Allerdings können wir unsere guten Absichten nicht in die Realität umsetzen, wenn wir nicht dort, wo es notwendig ist, die Verfügbarkeit der entsprechenden Daten auch anhand legislativer Maßnahmen sicherstellen. Dabei ist wichtig, dass die Verfügbarkeit von Daten den Grundsätzen der Angemessenheit und Nicht-Diskriminierung entspricht, auf Gegenleistung und Gegenseitigkeit in den Reihen der Unternehmen beruht und dem europäischen Schutz des Eigentums genüge trägt.

Hin zu einer erfolgreichen Datenwirtschaft, bei der der Mensch im Mittelpunkt steht

Bei der Datenwirtschaft dürfen wir uns nicht länger auf Organisationen konzentrieren, sondern müssen den Menschen in den Mittelpunkt stellen. Der Mensch muss nämlich wissen, welche Daten über ihn gespeichert werden; diese Daten müssen zugänglich und ihre Nutzung kontrollierbar sein. Zunehmender Datenschutz und zunehmende Datensicherheit stärken auch das Vertrauen der Menschen in digitale Dienstleistungen. Europa hat eine echte Chance, Datenschutz als Trumpf im Wettbewerb mit jenen Werten auszuspielen, die diesen Prinzipien nicht entsprechen.

Darüber hinaus entstehen durch die Verfügbarkeit von Daten sowohl für etablierte als auch für aufstrebende Branchen neue Wertschöpfungsmöglichkeiten. Im Gegensatz zu traditionellen Produktionsmitteln, werden Daten durch ihre Nutzung nämlich nicht verbraucht. Ihr Wert steigt sogar, wenn sie möglichst vielen zur Nutzung zur Verfügung stehen.

Die europäische Datenwirtschaft muss auf einen wettbewerbsfähigen Markt aufbauen, der sich durch Innovation und Investitionen auszeichnet und auf dem sowohl Verbraucherinnen und Verbraucher als auch Unternehmen die Wahlfreiheit zwischen verschiedenen Operateuren haben. Dies sind die Bausteine für eine erfolgreiche europäische Datenwirtschaft – sofern wir diese auch wollen. Durch diesen Aufbau einer fairen und erfolgreichen Datenwirtschaft, bei der der Mensch im Mittelpunkt steht, können wir aus der Digitalisierung auf dem Binnenmarkt einen möglichst großen Nutzen ziehen. Finnland wird diese Diskussion auch nach seinem Vorsitz im Rat der EU fortsetzen.

Laura Vilkkonen, Generaldirektorin und Abteilungsleiterin, Ministerium für Verkehr und Kommunikation