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Li Andersson: Berufliche Aus- und Weiterbildung im Rampenlicht der Europäischen Woche der Berufsbildung

Ministerium für Bildung und Kultur 14.10.2019 15.40 | Auf Deutsch veröffentlicht am 14.10.2019 um 17.29 Uhr
Kolumne
Foto: Laura Kotila, Staatskanzlei, Finnland

Die Hauptveranstaltung der jährlich von der Europäischen Kommission ausgerichteten Europäischen Woche der Berufsbildung findet dieses Jahr aus Anlass des finnischen Vorsitzes im Rat der EU in Finnland statt. Die Woche bietet eine günstige Gelegenheit, berufliche Aus- und Weiterbildung positiv zu vermarkten und ihre weiteren Entwicklungsmöglichkeiten mit Expertinnen und Experten der europäischen beruflichen Aus- und Weiterbildung zu diskutieren.

Attraktivität durch Qualität und Angebot

Berufliche Aus- und Weiterbildung ist in Finnland eine attraktive Option: Knapp die Hälfte einer jeden Altersgruppe bewirbt sich unmittelbar nach der schulischen Grundbildung um einen Ausbildungsplatz. Um dieser beruflichen Bildung Anerkennung zu verleihen, die auch auf der europäischen Ebene unserer entspricht, ist es wichtig, die Expertise und Erfolgsgeschichten aus dem Bereich der Berufsbildung sichtbarer zu machen. Dies geschieht unter anderem durch den Preis für die Exzellenz in der beruflichen Aus- und Weiterbildung, der auf der Europäischen Woche der Berufsbildung verliehen wird.

Die beste Möglichkeit zur Erhöhung der Attraktivität von beruflicher Aus- und Weiterbildung bleibt allerdings die Entwicklung von Qualität und Verbesserung der Zugänglichkeit. Aus diesem Grund findet die diesjährige Europäische Woche der Berufsbildung auch unter dem Thema „Berufsbildung für alle – Kompetenzen fürs Leben“ (engl. Vocational Education and Training for all – Skills for Life) statt. Damit wollen wir betonen, dass berufliche Aus- und Weiterbildung überall in Europa für die verschiedenen Bedürfnisse während der gesamten beruflichen Laufbahn und verschiedener Lebensabschnitte zur Verfügung stehen soll. Diese Bildung muss sich an den Bedürfnissen der Auszubildenden sowie den Realitäten des Berufslebens orientieren und ihnen Inhalte, Expertise und Kompetenzen vermitteln, die einer beruflichen Beschäftigung und aktiven Bürgerschaft am besten dienlich sind.

Investitionen in Berufskompetenzen ein Schwerpunkt des Finnischen EU-Ratsvorsitzes

Die Verbesserung von Qualität und Zugänglichkeit im Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung erfordert effiziente und wirksame Bildungsinvestitionen. Die Investition in Berufskompetenzen birgt enormen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzen. Eine hochqualitative Bildung für alle ist die Voraussetzung für eine Erhöhung der Beschäftigungsrate, für Innovationen, Wettbewerbsfähigkeit und die Anpassung an gesellschaftliche Umbrüche. Bildung ist der Garant für die persönliche Weiterentwicklung und hilft bei der Erlangung einer Beschäftigung. Sie bietet den besten Schutz vor Armut, Diskriminierung und davor, von der Gesellschaft übersehen zu werden. Alle Finninnen und Finnen sowie Europäerinnen und Europäer sollten die Möglichkeit haben, sich so weit fortzubilden wie es für jede und jeden einzelnen angemessen ist und berufliche Fertigkeiten während der gesamten Berufslaufbahn zu schärfen.

Der finnische Vorsitz bringt die Debatte um die Investition in berufliche Kompetenzen voran, indem er erstmals in der Geschichte eine gemeinsame Ratstagung der Bildungs- und Finanzministerinnen und -minister abhält. Auf dieser Tagung soll die Bedeutung von wirksamer und qualitativ hochwertiger Bildung für Beschäftigung, Innovation und Wohlstand erörtert werden. Dies ist eine Diskussion von äußerst aktueller Bedeutung. Sie dient nämlich der Umsetzung der strategischen Agenda des Europäischen Rates sowie der politischen Leitlinien der nächsten Präsidentin der Europäischen Kommission. Beide weisen auf die Bedeutung von Bildungsinvestitionen für unsere Wirtschaft und unsere Zukunft hin.

Berufliche Aus- und Weiterbildung als Baustein der Zukunft

Die berufliche Aus- und Weiterbildung muss zukunftsorientiert weiterentwickelt werden. Die Chancen und Herausforderungen, die Digitalisierung und künstliche Intelligenz mit sich bringen, müssen beachtet werden. In sämtlichen Berufssparten steigen die Qualifikationsanforderungen und deshalb ist es wichtig, dass sich die Europäerinnen und Europäer notwendiges Wissen und notwendige Kompetenzen aneignen können und auch die Möglichkeit haben, sich während ihrer gesamten Berufslaufbahn weiterzubilden. Zudem muss auch in Betracht gezogen werden, wie die berufliche Aus- und Weiterbildung ihrerseits genutzt werden kann, um die nachhaltige Entwicklung zu unterstützen und einen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel zu leisten.

Betreffend die Bildungspolitik der Europäischen Union werden im nächsten Jahr bedeutende Leitlinien verfasst. Die Kommission wird entsprechend ihren Vorschlag für einen strategischen Rahmen für die europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der allgemeinen und beruflichen Bildung vorlegen. Die unter dem finnischen Vorsitz geführten Diskussionen ebnen den Weg für die Ausarbeitung einer neuen Strategie bedeutend, weswegen es wichtig ist, dass wir die Bedeutung von beruflicher Aus- und Weiterbildung als Teil des europäischen Bildungssystems und des kontinuierlichen Lernens stark hervorheben.

Li Andersson, Ministerin für Bildung