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Milla Kouri: Fortschritte bei EU-Klassifikationssystem für ein nachhaltiges Finanzwesen

EU2019FIMinisterium der Finanzen 17.10.2019 8.45
Kolumne

Investorinnen und Investoren können anhand ihrer Entscheidungen zum Klimaschutz beitragen, wenn sie die Nachhaltigkeit von Investitionsobjekten vergleichen können. Dieser Vergleich soll durch ein Klassifikationssystem für Investitionen erleichtert werden, das Finnland in seiner Rolle als Vorsitz vorangetrieben hat.

Finnland erreichte bei der Behandlung der Angelegenheit am 25. September 2019 einen Meilenstein, als die Mitgliedstaaten eine politische Einigung über das Klassifikationssystem erzielten. Die EU-Botschafterinnen und -botschafter erteilten Finnland das Mandat, für den Rat in Trilogverhandlungen mit dem Europäischen Parlament und der Europäischen Kommission um einen Verordnungsvorschlag zu treten.

Nachhaltiges Finanzwesen benötigt Kapital

Die durchgängige Berücksichtigung von Nachhaltigkeit im Finanzwesen ist essentiell für die Erreichung der Ziele des Pariser Klimaschutzübereinkommens. Zur Erreichung der EU-Klima- und Energieziele, muss EU-weit eine Investitionslücke von jährlich knapp 180 Mrd. € ausgefüllt werden. Eine derart große Lücke ist mit öffentlichen Mitteln allein nicht auszufüllen, weswegen für diese Anstrengungen zum Klimaschutz auch privates Kapital notwendig ist und der Kapitalmarkt eine Rolle spielt.

Um Kapital in immer nachhaltigere Bahnen zu lenken, müssen Investorinnen und Investoren die Möglichkeit haben, ihre Investitionen auf deren Umweltauswirkungen zu prüfen. Diese Möglichkeit bemüht sich die EU anhand eines Aktionsplans für nachhaltige Investitionen zu schaffen. Dieser Aktionsplan umfasst die Schaffung eines EU-Klassifikationssystems für die Nachhaltigkeit von Investitionen.

Mindestanforderungen für grüne Investitionen

Was genau ist ein grünes Anlageprodukt? Verschiedene Dienstleistungsanbieter verfügen über verschiedene Systeme zur Bestimmung der Nachhaltigkeit ihrer Finanzprodukte. Für Investorinnen und Investoren ist es schwer festzustellen, ob ein „grüner“ Anlagefonds wirklich „grün“ ist und wann es sich nur um so genanntes Greenwashing handelt.

Das EU-Klassifikationssystem schafft Mindestanforderungen für grüne Investitionsobjekte und schafft so Standards für ökologisch nachhaltige Investitionen auf dem Finanzmarkt. So können Dienstleistungsanbieter ihre Kunden beispielsweise darüber informieren, dass ihr Anlagefonds die Kriterien des EU-Klassifikationssystems zu 60 Prozent erfüllt.

Gemeinsame Kriterien und eine gemeinsame Definition von Nachhaltigkeit stärken den Status von Investorinnen und Investoren, da diese nun besser die verschiedenen „grünen“ Anlagefonds und andere „grüne“ Finanzprodukte der jeweiligen Dienstleistungsanbieter vergleichen können. So können Investorinnen und Investoren auch besser darauf vertrauen, eine wirklich „grüne“ Investition zu tätigen und dabei mithelfen, unsere Welt nachhaltiger zu gestalten.

Milla Kouri, Referentin, Finanzpolitik, Finanzministerium

Das Thema kommt auch auf der Konferenz Greener Finance for Sustainable Future des finnischen Finanzministeriums und der finnischen Nationalbank am 30. und 31. Oktober 2019 in Helsinki zur Sprache.