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Riitta Sauni: Effektiverer Kampf gegen arbeitsbedingten Krebs in Europa

EU2019FI 26.11.2019 9.15
Kolumne
Foto: Ministerium für Soziales und Gesundheit

Jährlich erkranken ungefähr 120 000 Menschen in Europa an arbeitsbedingten Krebs; rund 80 000 davon überleben die Krankheit nicht. Ungefähr 53 Prozent aller arbeitsbedingten Todesfälle in der Europäischen Union und den anderen entwickelten Staaten sind auf Krebserkrankungen zurückzuführen. Der Kampf gegen arbeitsbedingten Krebs in Europa wurde in den letzten Jahren verstärkt.

Asbest weiterhin Hauptgrund für arbeitsbedingten Krebs

Die häufigsten Arten von arbeitsbedingtem Krebs sind Lungenkrebs, Mesotheliom (hervorgerufen durch Asbest) und Blasenkrebs. Der Bausektor, die Chemiebranche, die Automobil- und die Möbelindustrie sowie die Metallverarbeitung und -erzeugung sind jene Branchen, in denen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer besonders krebsgefährdet sind.

Der häufigste Grund für arbeitsbedingten Krebs ist der Kontakt mit krebserzeugenden Stoffen, auch Karzinogene genannt. Ein Großteil der arbeitsbedingten Krebserkrankungen ist auf die Exposition gegenüber Asbeststoffen in den vergangenen Jahrzehnten zurückzuführen. Heutzutage sind Chrom(VI)- und Nickelverbindungen die häufigsten krebserregenden Gefahrenstoffe.

Auch Strahlung, Stress sowie andere Faktoren der Arbeitsorganisation und des Arbeitsumfeldes werden mit Krebserkrankungen in Verbindung gebracht. Darüber hinaus konnte nachgewiesen werden, dass auch endokrine Stoffe und bestimmte Nanomaterialien krebserregend wirken können.

EU-Gesetzgebung in den letzten Jahren verstärkt

Auf EU-Ebene wurden dazu neue Grenzwerte für verschiedene Chemikalien festgelegt. Derzeit gibt es gesetzlich verankerte Grenzwerte für 25 krebserregende Stoffe, die am Arbeitsplatz nur in begrenztem Umfang zum Einsatz kommen dürfen.

Die Europäische Kommission hat sich in einer Mitteilung dem Schutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor arbeitsbedingten Krebserkrankungen verpflichtet. Als Teil dieser Verpflichtung hat sie eine Novellierung der Richtlinie über Karzinogene und Mutagene vorgenommen, indem Expositionsgrenzwerte für die gängigsten krebserregenden Stoffe auf dem europäischen Arbeitsmarkt festgelegt wurden.

Auch die so genannte Krebsrichtlinie wird überarbeitet, wobei die Kommission vier Richtlinienvorschläge vorgelegt hat, um mehr Grenzwerte für Karzinogene festzulegen.

Drei dieser Vorschläge wurden bereits angenommen und befinden sich in der Umsetzungsphase auf nationaler Ebene.

Der vierte Vorschlag ist noch anhängig und wird wohl Anfang 2020 von der Kommission vorgelegt werden.

Vorbeugung ist möglich

Der wichtigste Aspekt bei der Vorbeugung arbeitsbedingter Krebserkrankungen sind gesetzes- und regelkonforme Arbeitsbedingungen. Anhand sicherer und gesunder Arbeitsbedingungen könnte im Prinzip sämtlichen arbeitsbedingten Erkrankungen vorgebeugt werden.

Krebserregende Stoffe am Arbeitsplatz müssen identifiziert und Expositionen untersucht werden. Diesbezüglich werden ständig neue Verfahren des Risikomanagements entwickelt – an Instrumenten zu diesem Zwecke mangelt es also nicht. Auch die Forschung widmet sich dem Thema intensiv.

Ein Großteil der krebsbedingten Todesfälle wäre anhand relativ einfacher Maßnahmen zu verhindern. Die Exposition gegenüber Karzinogenen kann nämlich auf dieselbe Weise verhindert werden wie die Exposition gegenüber allen anderen Chemikalien.

Das Prinzip, dass zuerst allgemeine Arbeitsschutzmaßnahmen gesetzt werden müssen und erst danach individuelle Schutzausrüstung zum Einsatz kommt, sei hier in Erinnerung gerufen. Man hat sich also die Frage zu stellen, ob gefährliche oder schädliche Faktoren bereits vorab abgewendet werden können oder ob diese ausgeräumt bzw. mit weniger schädlichen Stoffen ersetzt werden können. Gibt es die technischen bzw. organisatorischen Möglichkeiten zur Verringerung der Exposition? Sollten diese Fragen mit nein beantwortet werden oder keiner dieser Ansätze eine genügende Lösung darstellen, so ist auf entsprechende individuelle Schutzausrüstung zurückzugreifen.

Gemeinsame Probleme und gemeinsame Lösungen

Der Kampf gegen arbeitsbedingten Krebs erfordert aber nicht nur Anstrengungen in den Bereichen Legislative, Vorschriften und Forschung, sondern auch Informationsaustausch und Kommunikation.

So hat die EU im Jahr 2016 die Kampagne Roadmap on Carcinogens gegen arbeitsbedingten Krebs gestartet. Sechs Organisationen – darunter die Europäische Kommission sowie die Europäische Agentur für Sicherheits- und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz EU-OSHA – haben dazu freiwillig einen Vertrag unterzeichnet, mit dem sie sich dazu verpflichten, Informationen über karzinogene Stoffe am Arbeitsplatz zu veröffentlichen und bewährte Praktiken im Kampf gegen arbeitsbedingten Krebs auszutauschen. Seither haben sich mehrere Staaten der Kampagne angeschlossen.

Während des finnischen EU-Ratsvorsitzes kommen die mitwirkenden Staaten und Organisationen zu einer Arbeitssitzung in Helsinki zusammen, wo sie unter anderem bereits verbuchte Erfolge sowie zukünftige Herausforderungen diskutieren, die Schnittstelle zwischen Chemikaliengesetzgebung und Arbeitsschutzgesetzen erörtern und sich über Biomonitoring bei der Untersuchung von Exposition am Arbeitsplatz austauschen.

Finnland übergibt die Staffel danach an Deutschland, das die Kampagne während seines EU-Ratsvorsitzes fortführen wird.

Auch Sie können der Kampagne entweder als Privatperson oder gemeinsam mit ihrem beruflichen Umfeld beitreten. Weitere Informationen und entsprechende Anleitungen dazu finden Sie auf der Website der Kampagne.

Gemeinsam und grenzübergreifend können wir arbeitsbedingtem Krebs effektiver entgegentreten.

Riitta Sauni, Ministerialrätin, Sozial- und Gesundheitsministerium