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Silver Economy Forum brachte Auswirkungen der Bevölkerungsalterung auf EU-Agenda

EU2019FIMinisterium für Soziales und Gesundheit 26.7.2019 11.52
Kolumne
Foto: Ministerium für Soziales und Gesundheit

Der demografische Wandel wird oft zum Erzeugen von Angst verwendet. Die Diskussion über dieses Thema dreht sich oft um den Abhängigkeitsquotienten sowie die finanziellen Aspekte langfristiger Pflege, obwohl die Tatsache, dass wir Menschen immer älter werden, eine großartige Errungenschaft ist. Finnland hat sich vorgenommen, während seines Vorsitzes die Diskussion über die Bevölkerungsalterung in ein positiveres Licht zu rücken.

Dazu wurde vom 9. bis 10. Juli 2019 in Helsinki die globale, hochrangige Konferenz Silver Economy Forum organisiert. Auf diesem Forum kamen rund 600 hochrangige Teilnehmende und über 70 Vortragende aus 48 verschiedenen Ländern zusammen.

Was wurde anders gemacht und was wurde erreicht?

Veranstaltungen wie das Silver Economy Forum gibt es in der Welt der Politik eher selten. Die außergewöhnliche Umsetzung der Tagung diente dazu, die Diskussion über die Bevölkerungsalterung auf eine neue Ebene zu heben und in neue Bereiche zu führen. Zwei Tage lang führten politische Entscheidungsträgerinnen und -träger, Führungskräfte aus der Wirtschaft, Forscherinnen und Forscher sowie Innovatorinnen und Inovatoren einen unkonventionellen Gedankenaustausch aus verschiedenen Blickwinkeln über die Auswirkungen steigender Lebenserwartung. Das Forum hat einen bleibenden Eindruck in der öffentlichen Diskussion in Finnland und der Welt hinterlassen.

Die Organisation des Forums war außergewöhnlich. Die Hauptverantwortung trug das Ministerium für Soziales und Gesundheit, das gemeinsam mit dem Finanzministerium, der finnischen Zentralbank, dem Außenministerium, Finance Finland und der internationalen Interessenvertretung für Unternehmen Global Coalition on Aging hinter der Veranstaltung stand.

Sowohl die Veranstalter als auch das Programm waren der UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung verpflichtet, die auch die Zusammenarbeit von Politik, der Zivilgesellschaft und der Wirtschaftswelt beinhaltet. Das Thema der steigenden Lebenserwartung wurde aus einem neuen, unkonventionellen Blickwinkel erörtert. Es konnten Zielgruppen und Vortragende erreicht und zusammengebracht werden, die sich anderwärtig nicht gegenseitig erreichen würden. Das Feedback der Teilnehmenden war äußerst positiv und deren Erwartungen an die Veranstaltung wurden übertroffen.

Löst nicht die Zeit das Problem?

Bei den Vorbereitungsarbeiten sind auch Sichtweisen aufgekommen, laut denen die Zeit das Problem der Bevölkerungsalterung lösen würde. Diese Herangehensweise fordert einen hohen Preis, nämlich die Aufgabe des europäischen Wohlfahrtsmodells, wie wir es kennen. Deshalb haben wir uns für eine verantwortungsvolle, umfassende und rechtzeitige Herangehensweise als Leitgedanken für das Silver Economy Forum entschieden.

Die nordamerikanischen und asiatischen Modelle dienten dabei als interessante Vergleichspunkte: Finnland und Europa bemühen sich darum, Ungleichheiten im menschlichen Wohlergehen auszugleichen, wobei immer noch ein sehr starkes Einverständnis darüber herrscht, dass dies ohne universale Sozialsysteme nicht möglich ist. Deshalb spielen in der politischen Diskussion dieses Themas in Europa Gleichstellung, Gleichberechtigung und Inklusivität sowohl in den Bereichen Gesundheit und Sozialschutz als auch der Finanzpolitik eine wichtige Rolle.

Analyse von Bevölkerungspyramiden nicht genug

Als Generalsekretärin des Forums stellte ich fest, dass ein strategischer Ansatz für das Altern der Bevölkerung ein in sich bereits veraltetes Ziel darstellt. Der demografische Wandel ist ein globales Phänomen, das wir mit anderen, gleichzeitig stattfindenden Megatrends, wie dem Geburtenrückgang, dem Umbruch in der Arbeitswelt, der Urbanisierung und der technologischen Entwicklung, verknüpft betrachten müssen.

Eine ledigliche Analyse von Bevölkerungspyramiden trägt nicht zur Verbesserung der allgemeinen Gesundheit sowie der Volkswirtschaft bei, ist keine Antwort auf die Verfügbarkeit von Arbeitskräften, hilft nicht beim Bau seniorenfreundlicher Städte und stellt auch keinen lukrativen Finanzmarkt oder unternehmerischen Umsatz sicher. Hier können wir nur durch das eigene Engagement alter Menschen sowie durch eine generationenübergreifende Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik Erfolg haben.

Das Silver Economy Forum hat gezeigt, dass die Diskussion über das Altern der Bevölkerung eine neue Grundlage gebraucht hat. Eine genauere Auswertung der Veranstaltung und die weiteren Diskussionen während des Ratsvorsitzes zeichnen einen Weg dafür vor, wie Finnland und die EU das Thema der steigenden Lebenserwartung in Zukunft angehen werden.

Sarita Friman, Generalsekretärin, Ministerialrätin, Ministerium für Soziales und Gesundheit

Helsinki