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Ökonomie des Wohlergehens: Wirtschaftswachstum durch Wohlergehen in der EU

Als EU-Ratsvorsitz will Finnland in der Entscheidungsfindung der EU ein breiteres Bewusstsein darüber schaffen, dass das Wohlergehen der Menschen eine Voraussetzung sowohl für das Wirtschaftswachstum als auch die Stabilität der Gesellschaft und der Wirtschaft ist. Wirtschaftswachstum schafft wiederum mehr Möglichkeiten, das Wohlergehen aller Menschen zu verbessern.

Das Wohlergehen der Menschen ist eines der wichtigsten Ziele der EU und ein Teil des Wertefundaments europäischer Gesellschaften. In der Gesellschaft, die nach den Prinzipien der Ökonomie des Wohlergehens funktioniert, werden öffentliche Mittel zur Verbesserung des Wohlergehens der Menschen eingesetzt. Menschen, die sich wohl fühlen, sind seltener krank, arbeiten, sind innovativ und produktiv und zahlen Steuern.

In alternden Bevölkerungen wirkt Wohlergehen auch dem Kostenanstieg im Sozial- und Gesundheitswesen entgegen. Nach der Schätzung der Europäischen Kommission wird die Anzahl der über 65-Jährigen in der EU bis 2060 von den heutigen 17,4 % auf 29,5 % steigen. Gleichzeitig wird die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zurückgehen.

Wohlfahrtspolitik und Wirtschaftspolitik müssen gemeinsam behandelt werden

Die Ökonomie des Wohlergehens ist ein breitgefächerter Ansatz zur Weiterentwicklung der politischen Entscheidungsfindung der EU und der Mitgliedstaaten. Die Wohlfahrtspolitik und Wirtschaftspolitik dürfen in der EU nicht voneinander getrennt behandelt werden. Auch die Verbindungen zwischen der Gleichstellungspolitik und Wirtschaftspolitik müssen gestärkt werden. Die Förderung von Gleichstellung, der Abbau von Ungleichheiten, die Verbesserung der Beschäftigungsmöglichkeiten von Frauen sowie die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben sind sehr wichtige Ziele für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum.

Die Kosten, die aus der niedrigeren Beschäftigungsquote von Frauen entstehen, werden auf etwa 2,8 % des Bruttoinlandsproduktes der EU geschätzt. Nach dem Europäischen Institut für Gleichstellungsfragen würde die Verbesserung der Gleichstellung der Geschlechter das Bruttoinlandsprodukt bis 2050 um 6,1 bis 9,6 % steigern.

Die Ökonomie des Wohlergehens hat als Ziel, jedem Menschen in der Gesellschaft die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen und allen gleiche Chancen zu bieten. Die Förderung von Wohlergehen ist auch in der Rezession eine wirtschaftlich vernünftige Investition. Viele Studien zeigen, dass Investitionen in Bildung wesentlich zum Wirtschaftswachstum beitragen. Außerdem ist bekannt, dass sich effiziente präventive Investitionen im Gesundheitswesen vielfach auszahlen. Trotzdem werden nur drei Prozent der EU-Gesundheitshaushalte zur Vorbeugung und 97 zur Pflege eingesetzt.

Schlussfolgerungen des Rates über Ökonomie des Wohlergehens als Ziel

Finnland schlägt dem Ministerrat vor, im Oktober Schlussfolgerungen über die Ökonomie des Wohlergehens anzunehmen. Die Schlussfolgerungen enthalten Maßnahmenempfehlungen für die Mitgliedstaaten und die Europäische Kommission. 

Es ist wichtig sicherzustellen, dass sich in einer sozial, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltigen Gesellschaft auch die Bürgerinnen und Bürger selbst besser fühlen. Die EU muss auf der Grundlage ihrer geltenden Befugnissen mehr zum Beispiel zur Förderung des Arbeitnehmerschutzes und zur Gleichstellung der Geschlechter machen. Außerdem muss die EU die positiven Auswirkungen anderer Politikbereiche auf die Gesundheit der Bürger, Sozialschutz, Beschäftigung und Bildung sicherstellen.

Im Laufe des wirtschaftspolitischen Semesters der EU wird die Stabilität der öffentlichen Finanzen der Mitgliedstaaten beobachtet, und der Ministerrat empfiehlt erforderlichenfalls Maßnahmen. Um Wirtschaftswachstum und Stabilität zu erreichen, muss die Bedeutung von politischen Maßnahmen und Systemen berücksichtigt werden, die das Wohlergehen der Menschen fördern. Eine verschiedene politische Bereiche umfassende Zusammenarbeit ist sowohl auf EU-Ebene als auch auf nationaler Ebene notwendig. Die Legitimität der Union unter den Bürgern wird verstärkt, wenn dem Wohlergehen klare Priorität unter den langfristigen Zielen der EU eingeräumt wird.

Weitere Informationen

Veli-Mikko Niemi, Generaldirektor, Sozial- und Gesundheitsministerium, Tel.: +358 295 163 425, [email protected]