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Juha Niemelä und Marja Kokkonen: EU intensiviert Maßnahmen zum Schutz der Wälder in der Welt

EU2019FI 13.12.2019 13.12 | Auf Deutsch veröffentlicht am 13.12.2019 um 17.24 Uhr
Kolumne
Foto: Ministerium für Land- und Forstwirtschaft

Wälder haben eine immense Bedeutung, ob bei der Speicherung von Kohlendioxid, der Wahrung der Artenvielfalt oder der Stützung verschiedener Wirtschaftsformen weltweit. Diese Bedeutung wurde infolge der Klimakrise sowie zerstörerischer Waldbrände immer sichtbarer.

So teilen alle EU-Mitgliedstaaten gemeinsam die Sorge um den Zustand der Wälder in der Welt und verpflichten sich zur Zusammenarbeit und Maßnahmen, um die Situation zu verbessern. Dies ging aus den Schlussfolgerungen des Rates „Landwirtschaft und Fischerei“ vom 16. Dezember 2019 betreffend die Mitteilung der Kommission über die Intensivierung der EU-Maßnahmen zum Schutz und zu Wiederherstellung der Wälder in der Welt hervor.

Obwohl der Titel der Mitteilung lediglich den Schutz der Wälder erwähnt, handelt es sich hierbei um eine weitaus größere Dimension. Wälder fördern nämlich das Wohlergehen der Menschen beispielsweise durch ihre positive Auswirkung auf das Klima und sauberes Wasser. Deshalb muss ihre Lebenskraft auf der ganzen Welt bewahrt werden.

Wälder wirken sich auf Nachhaltigkeitsziele aus

Das Bevölkerungswachstum und die damit verbundene vermehrte Nachfrage nach Lebensmitteln erhöht den Druck, die Wälder zu verändern. Dementsprechend haben wir uns die zentrale Frage zu stellen, wie wir einerseits die Nahrungsmittelversorgung sicherstellen können und andererseits gleichzeitig unsere Wälder bewahren können. Darüber hinaus wirkt sich auch der Druck, fossile Brennstoffe mit aus erneuerbaren Rohstoffen gewonnenen Materialien zu ersetzen, auf die Wälder aus. Hier haben wir uns die Frage zu stellen, wie wir gleichzeitig eine nachhaltige Waldbewirtschaftung fördern, nachhaltige Produkte für eine wachsende Bevölkerung aus erneuerbaren Rohstoffen produzieren und gleichzeitig den Waldbestand aufrechterhalten können.

In der politischen und auch anderwärtigen Beschlussfassung ist es nicht möglich, einzelne Faktor gesondert zu behandeln und diese so weit voranzutreiben, dass sich eine Gesamtlösung von selbst einstellt. Vor allem im Bereich der natürlichen Ressourcen und der Bodennutzung müssen wir unseren Blickwinkel ausweiten und versuchen, sämtliche Faktoren im Wirkungsbereich politischer oder anderwärtiger Beschlussfassung zu verstehen.

Wälder spielen auch bei mehreren der Nachhaltigkeitsziele gemäß der Agenda 2030 der Vereinten Nationen eine Rolle. Diesen Zielen haben sich sämtliche EU-Mitgliedstaaten verpflichtet, womit sie ein gutes Fundament für die Zusammenarbeit auf EU-Ebene darstellen. Bei forstwirtschaftlichen Themen gibt es unter den Mitgliedstaaten zwei Gruppen: Erzeuger- und Verbraucherländer. Ungeachtet der unterschiedlichen Ausgangspunkte eint die EU-Mitgliedstaaten allerdings der Wille, eine nachhaltige Waldbewirtschaftung weltweit zu fördern. Die Schlussfolgerungen des Rates betreffend die Mitteilung der Kommission über die Intensivierung der EU-Maßnahmen zum Schutz und zur Wiederherstellung der Wälder in der Welt sind ein großartiges Beispiel für diese Einigkeit.

Auch die Tatsache, dass nicht überall von Null begonnen werden muss, erleichtert die Arbeit. Die EU setzt schon seit langem in verschiedenen Formen Maßnahmen zugunsten der Wälder. Als Beispiel seien das Aktionsprogramm EU FLEGT sowie die dazugehörige Holzwarenverordnung genannt. Auch die Partnerschaft zwischen der EU und Afrika bietet Möglichkeiten für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung sowie zur Ausweitung der Waldfläche.

Finnischer Vorsitz bringt Wald als Diskussionsthema ein

In diesem Herbst setzten sich Expertinnen und Experten aus verschiedenen Sektoren mit der Mitteilung der Kommission auseinander und erörterten darauf beruhend ihre Auswirkungen hinsichtlich des Schutzes und der Wiederherstellung der Wälder in der Welt. An der Ausarbeitung der Schlussfolgerungen des Rates nahmen neben Beamtinnen und Beamten aus den forstwirtschaftlichen Bereichen der Mitgliedstaaten auch Vertreterinnen und Vertreter der Bereiche Umwelt, Handelspolitik, Klimaschutz, Entwicklungspolitik und Landwirtschaft teil. Finnland ist es gelungen, als Vorsitz vielfältige Expertinnen und Experten aus verschiedenen Sektoren zusammenzuführen.

Auch sonst waren Wälder ein stark sichtbares Thema des finnischen Vorsitzes in verschiedenen Bereichen. Auf Initiative des Vorsitzes wurden zwei Themen auf die Tagesordnung der offiziellen Ratstagung der Land- und Forstwirtschaftsministerinnen und –minister im Dezember gehoben: die Mitteilung der Kommission sowie die Zukunft der Forststrategie der EU. Der Höhepunkt des Waldthemas die die Tagung des Rates „Landwirtschaft und Fischerei“ im Dezember, auf der die Schlussfolgerungen des Rates betreffend die Mitteilung der Kommission angenommen werden sollen und wo die Ministerinnen und Minister im Rahmen eines Mittagessens zum Thema „Die Wälder der Welt schaffen eine nachhaltige Zukunft“ einen Gedankenaustausch führen werden.

Die EU hat die Chance, eine globale Führungsrolle in nachhaltiger Waldbewirtschaftung zu spielen. Die hochrangigen Diskussionen und die Kommunikation zwischen den verschiedenen Gefäßen wirken sich nur positiv auf die europäische Expertise aus.

Wenn Wälder für die lokale Bevölkerung einen Wert darstellen, werden sie auch am besten bewahrt. Dies gilt sowohl für die tropischen Wälder als auch für die nordischen Nadelwälder hier bei uns in Finnland. Aus Erfahrung wissen wir, dass verschiedene Aufforstungsprojekte nur dann gelingen, wenn die Wälder für die lokale Bevölkerung einen noch bedeutenderen Mehrwert haben als lediglich einen alternativen Wert im Form von Rohstoffgewinnung, der sich beispielsweise in der Gewinnung von Brennholz äußern kann. Allerdings kann ein derartiger Mehrwert nicht unverzüglich geschaffen werden. Dieser Prozess verlangt nach Zusammenarbeit über die Grenzen einzelner Sektoren hinweg.

Juha Niemelä, Generaldirektor und Marja Kokkonen, Fachreferentin Forstwirtschaft; Ministerium für Land- und Forstwirtschaft