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Jaakko Weuro: Auch Finanzsektor von hybriden Bedrohungen betroffen

Ministerium der Finanzen 12.9.2019 9.02
Kolumne

Ein wirksames Finanzsystem erhält die wirtschaftliche und gesellschaftliche Tätigkeit aufrecht; ein Anschlag auf die kritischen Stellen des Finanzsystems würde somit die gesamte Gesellschaft in die Knie zwingen. Als Vorsitz des Rates der EU stellt Finnland die neuen Bedrohungen für den Finanzmarkt und deren Abwehr zur politischen Diskussion.

Die Finanzministerinnen und -minister und Zentralbankpräsidentinnen und -präsidenten erörtern das Thema auf ihrer informellen Tagung vom 13. bis 14. September in Helsinki.

Cyberanschläge, Druck und falsche Informationen

Hybride Bedrohungen bedeutet die Nutzung verschiedener Methoden durch staatliche oder nichtstaatliche Akteure in koordinierter Weise, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, ohne dass jedoch die Schwelle eines offiziell erklärten Kriegs erreicht wird. Unter derartigen Bedrohungen versteht man unter anderem unterschiedliche zwingende und sicherheitsbedrohende Maßnahmen sowie konventionelle und unkonventionelle Methoden, die diplomatischer, militärischer, wirtschaftlicher und technischer Natur sein können.

Zu hybriden Aktivitäten zählen zum Beispiel Cyberattacken sowie Kampagnen, die falsche Informationen verbreiten und soziale Unruhen auslösen. Diese Aktivitäten können auch darauf abzielen, kritische gesellschaftliche Systeme, wie die Energieversorgung oder Telekommunikationsverbindungen, zu beeinträchtigen.

Telekommunikationsverbindungen empfindlich

Auch Finanzmärkte sind hybrider Beeinflussung ausgesetzt. Sie sind ein empfindliches Ziel, weil sie auf internationalen Echtzeit-Telekommunikationsverbindungen und -systemen sowie dem Vertrauen der Bevölkerung aufbauen.

Ein gut vorbereiteter und gezielter Anschlag auf die kritischen Stellen des Finanzsystems würde die gesamte Gesellschaft in die Knie zwingen. Auch kurze Störungen können große wirtschaftliche Schäden verursachen und Angst schüren.  

Die EU hat die Funktionsfähigkeit des Finanzsystems als einen kritischen Bereich im strategischen Rahmen der Abwehr hybrider Bedrohungen identifiziert. Allerdings haben die Mitgliedstaaten dieses Thema früher nicht auf politischer Ebene diskutiert und die Maßnahmen konzentrierten sich bis jetzt auf einen besseren Informationsaustausch über Cyberbedrohungen auf technischer Ebene.

Infrastruktur schützen

Die Abwehr hybrider Bedrohungen verknüpft die innere und äußere Sicherheit miteinander, so dass wir eine enge Zusammenarbeit zwischen den Behörden verschiedener Sektoren brauchen. Die finnische Initiative zur Rüstung des Finanzsektors für hybride Bedrohungen ist Teil eines größeren Ganzen, das auf mehreren Ministertagungen während des Vorsitzes behandelt wird. Das Thema gehört zu den Schwerpunkten des finnischen EU-Ratsvorsitzes.

Es ist wichtig, dass wir die kritische Infrastruktur Europas schützen, um hybride Bedrohungen abwehren zu können. Bei dieser Arbeit muss auch der Finanzmarkt berücksichtigt werden. Andererseits ist es für die Finanzmarktstabilität von zentraler Bedeutung, dass hybride Bedrohungen bei der Aufsicht, Regulierung sowie dem Risikomanagement der Finanzmarktakteure erkannt werden.

Jaakko Weuro, Fachreferent, Ständige Vertretung Finnlands bei der Europäischen Union